Unternehmenskultur Beispiel – Die morphologische Kulturpsychologie

Das Ergebnis eines Veränderungs- und Entwicklungsprozesses im Unternehmen ist ein Unternehmenskultur Beispiel – ein Bild des Ist-Zustandes der derzeit vorherrschenden Unternehmenskultur.

Einführung in das grundlegende Verständnis

 „Im Begriff ‚Psycho-Logie’ steckt der griechische Begriff des Logos. Das heißt so viel wie Wort. Das Wort ist ein Wegweiser zum Ort der Psychologie. Was die Seele zu sagen hat – das ist Psychologie. (…) Logos heißt aber noch mehr als Wort, Logos bedeutet auch Sinn und Versammlung. Die Psychologie nimmt also auf, was sich im Wort der Seele als sinnvoller Zusammenhang ausspricht. Nicht aneinander montierte Seelen-Atome oder Impulse sind die Sache der Psychologie, sondern der Sinn-Zusammenhang, der im Wort der Seele, in ihren sprechenden Taten, vernehmbar ist.“ (Daniel Salber)

Im Verständnis dieser Logik von Psychologie wird der Unternehmens- und Arbeitsalltag im Rahmen einer Unternehmenskulturuntersuchung in den Mittelpunkt aller Betrachtungen gestellt.

Der Unternehmensalltag als Mittelpunkt aller Betrachtungen

Die Morphologie als theoriebildende Wissenschaft bedient sich Alltagsphänomenen und befasst sich mit der „seelischen“ Seite von Unternehmen. Vor allem geht es darum die Phänomene in einen hinreichenden Zusammenhang sowie die Prozesshaftigkeit und Kultivierung von Umgangsformen herauszustellen. Auf diese Art und Weise gelingt es ihr einen neuen Blickwinkel auf Phänomene wie Krisen, Konflikte und Störungen von z.B. Unternehmen zu legen. Darüber hinaus geht die Morphologie davon aus, dass Unternehmen als Kulturen nach denselben Gesetzen funktionieren wie Personen und somit liegt ihr Fokus auf der ständigen Dynamik/Bewegung – Gestaltung und Verwandlung – dieser seelischen Seite.

 

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

 

Christian von Ehrenfels

 

Mit Hilfe der Wirtschaftsmorphologie (Bildanalysen) ist es uns somit möglich verborgende Denk- und Handlungsstrukturen sowie eine tatsächlich gelebte Unternehmenskultur aufzudecken, darzustellen, zu verstehen und zu erklären. Hierfür gibt es jedoch keine Schablone die man auf alle Unternehmen einer Branche anwenden kann, die Morphologie ist vielmehr als ein Gesamtbild schaffendes Modell zu verstehen welches sich Gestalten bedient um Wirkungsräume darzustellen, zu verstehen und erklären und die jeweilige spezifische Dynamik des Wirkungsraumes und des Kontextes berücksichtigt.

Zusammenhang, Prozess, Produktion

Wenn von einer Wirtschaftspsychologie als Kulturpsychologie geredet wird dann sind es drei wesentliche Punkte die sie als Kulturpsychologie ausweisen und zwar Zusammenhang, Prozess und Produktion/Kultivierung.

Die Kulturpsychologie ist darum bemüht den Gegenstand des Interesses in seinem alltäglichen Kontext zu belassen und in einen hinreichenden Zusammenhang seiner Verwendung zu analysieren.
Zusammenhänge spielen in der Kulturpsychologie eine wichtige Rolle, denn ausgehend davon, dass wir das Seelische als einen lebendigen Zusammenhang sehen, dürfen wir diesen nicht „kaputt“ machen, wenn wir diesen wissenschaftlich untersuchen wollen. Kaputt machen bedeutet in diesem Fall die einzelnen Phänomene isoliert voneinander zu betrachten. Erst die Einbindung der Phänomene in einen hinreichenden Alltagszusammenhang ermöglicht uns ein Verständnis über den Gegenstand.

Der zweite wichtige Punkt warum diese Art und Weise der Vorgehensweise betrieben wird ist, dass Wirklichkeit ein Prozess ist. So wie sich in unserem (Unternehmens-)Alltag die Dinge entwickeln und nicht einfach da sind, so müssen wir auch die Gegenstände als Ganzes in einem Prozess untersuchen, welcher sich entwickelt – den „Entwicklungsprozess“.

Der Begriff Produktion/Kultivierung gibt der Kulturpsychologie sprichwörtlich ihren Namen. Kultivierung in der Auffassung einer wirtschaftspsychologischen Kulturpsychologie geht darauf ein, dass alles mit dem wir es zu tun haben hergestellt/kultiviert worden ist. Das was wir als Phänomene beobachten und beschreiben ist etwas Hergestelltes bzw. Kultiviertes. Mit dieser grundlegenden Annahme stellen wir uns ständig die Frage „Von wem ist es gemacht?“ und „Wie ist es gemacht?“ Aus diesem Grund stellen wir Kultivierungsformen wie etwa Unternehmenskulturen in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen.

Das Beschreiben der eigenen Kultur als Entwicklungsprozess

Bei den Dynamiken einer Unternehmenskultur handelt es sich überwiegend und fast ausschließlich um unbewusste Denk- und Handlungsmuster, welche somit nicht auf den ersten Blick deutlich sichtbar und zu verstehen sind. Die Kunst besteht an diese Erlebenszusammenhänge zu gelangen, sie erfahrbar und verständlich zu bekommen. Hierfür benutzt der Wirtschaftspsychologe die Methode der Beschreibung.

Folgende Verfahren werden in der beschreibenden Methode eingesetzt:

  • Erlebensprotokoll
  • Tiefeninterview
  • Interviewbeschreibung
  • Vereinheitlichende Beschreibung.

Im Rahmen eines Interviews begeben sich der Interviewer und der Interviewpartner in eine Art Spielraum. In diesem Spielraum wird ausgelotet und sichtbar gemacht wie sich die jeweilige Unternehmenswelt darstellt, wie sie beschaffen ist und wodurch sie sich auszeichnet. Bei der Entwicklung dieses Bildes vom Unternehmen sind beide Seiten beteiligt und das Ergebnis wird als „gemeinsames Werk“ verstanden. So wie der gesamte Prozess der Unternehmenskulturanalyse einem bestimmten Tempo unterliegt so unterliegt auch das Interview einem bestimmten Entwicklungstempo, welches wechselseitig bestimmt wird.

Der Interviewer ist Teil des Prozesses und bezieht Dinge wie Interviewdynamik, szenisches Verstehen und Subjektivität direkt mit in den „Forschungsprozess“ mit ein.

Die Datenerhebung und -auswertung sind bei diesem methodischen Vorgehen nicht trennbar. Eine Hypothese wird abgefragt und daraus wird gleichzeitig eine weiterführende Frage entwickelt. So gelingt es immer „tiefer“ in die Thematik einzutauchen und letztendlich an die unbewussten Denk- und Handlungsmuster heranzukommen um diese aufzudecken, darzustellen sowie verstehen und erklären zu können.

Unternehmenskultur Beispiel – Das morphologische 6-Eck

Das Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses ist ein Bild des Ist-Zustandes der derzeit im Unternehmen vorherrschenden Unternehmenskultur in Anlehnung an den Versionengang des Beschreibens von Beschreibungen nach Salber (2006) und Fitzek (2010).

Da psychische Prozesse nicht in einer monokausalen Logik (Ursache-Wirkung) zu verstehen sind gibt es in einem Wirkungsraum, wie z.B. einer Unternehmenskultur, immer sechs sich gegenüberstehende und kontrastierende Pole im Sinne des Gegenlaufs von Gestalt und Verwandlung. Diese sind Ausdruck für das Spannungsverhältnis innerhalb der Gestalt sowie zwischen den Tendenzen selbst.

Im Rahmen einer Unternehmenskulturuntersuchung gibt es folgende sich gegenüberstehende Tendenzen:

  • Aneignung: Haben und Halten (haltgebende traditionelle Züge)
  • Umbildung: Anders-Werden (Neuerungen, Veränderungen, Zukunftsgewandtheit)
  • Einwirkung: Tun und Machen (konkrete Nutzung, konkreter Umgang)
  • Anordnung: Eingliedern und Kategorisieren (Regeln, Strukturen, Einordnung im Wettbewerbsumfeld)
  • Ausrüstung: Können und Sichern (Wirklichkeit, tatsächliche und konkrete Erfahrungen)
  • Ausbreitung: Wünschen und Wollen (Hoffnungen, Ansprüche, Entwicklungsversprechen)

Welche Tendenzen möchten Sie gerne näher betrachten?

Paul-Philipp Moritz
Paul-Philipp Moritz

Wirtschaftspsychologe, Strategie- und Organisationsberater, Qualitätsmanager

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Immanuel Kant

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