Familienunternehmen – Das macht uns BESONDERS.

Familienunternehmen sind, vor allem in Deutschland, eine wichtige Säule der Wirtschaft und Gesellschaft. Auch Sie haben sicherlich schon von den zahlreichen Erfolgsgeschichten einiger heutiger Großkonzerne gehört. Manche Familienunternehmen halten sich schon seit über 100 Jahren erfolgreich am Markt.

Doch was zeichnet ein Familienunternehmen eigentlich aus? Was macht es so besonders? UND was ist so anders als bei einem „normalen“ Unternehmen?

Familienunternehmen verstehen lernen

Jeder hat schon einmal von dem Begriff „Familienunternehmen“ gehört. So, auch ich. Meine Vorstellung von einem Familienunternehmen sah vor ein paar Jahren noch wie folgt aus: ein über viele Generationen etabliertes Unternehmen im Mittelstand oder aber sogar ein weltweit agierender Großkonzern mit einer dementsprechenden Großfamilie im Hintergrund.

Doch dieses Bild änderte sich für mich nach Beendigung meines Studiums schlagartig. Denn mit dem Abschluss meines Studiums wurde auch ich Teil unseres Familienunternehmens. Sofort durfte ich live miterleben was es bedeutet in einem Familienunternehmen zu arbeiten und zu leben.

Zugegebenermaßen war ich anfangs recht überfordert mit all‘ den vorherrschenden Dynamiken und den damit verbundenen Erwartungen und Ansprüchen an meine Rolle und Person. Ich habe eine lange Zeit gebraucht, um zu verstehen welche unterschiedlichen Systeme in einem Familienunternehmen vorherrschen und am Werk sind. Und dieser Prozess ist noch längst nicht abgeschlossen.

Das, aus meiner Sicht, wichtigste Merkmal eines Familienunternehmens ist das Zusammenwirken drei miteinander eng verbundener Systeme: Familie – Unternehmen – Eigentum.

Widersprüche erhöhen die Komplexität

Das entscheidende an dem Zusammenspiel dieser drei Systeme ist, dass ein jedes System einer jeweils eigenen Logik mit dazugehörigen Regeln und Kommunikation folgt. Diese Logiken prallen in einem Familienunternehmen aufeinander und führen zu Widersprüchen, welche nicht immer zu verstehen sind, sogenannte Paradoxien.

In meinem konkreten Fall war es so, dass ich gerade erst mein Bachelorstudium abgeschlossen habe, und zunächst erst einmal in meinem neuen Berufsfeld als Wirtschaftspsychologe ankommen wollte. Aufgrund vieler gemeinsamer Themen und Schnittpunkte mit der Arbeit meiner Mutter entschieden wir uns für eine gemeinsame Zusammenarbeit. Doch mit dem ersten Tag spürte ich, dass etwas anders war als bei meinen vorherigen Anstellungen / Jobs. Ich war nicht nur einfach jemand mit einer gewissen Fachexpertise, sondern auch Sohn und Geschäftspartner. Und das alles gleichzeitig!

Hier zeigt sich für mich einer der größten, wenn nicht sogar die größte Herausforderung für Familienunternehmen. Wie bereits beschrieben, ergeben sich aus dem Zusammenwirken der drei verschiedenen Systeme Paradoxien. Diese Paradoxien gilt es sowohl als Familie als auch als Unternehmen zu managen bzw. ist es wichtig einen für sich geeigneten / passenden Umgang damit zu finden.

Selbstbeobachtung als Grundlage für Veränderung

„Ein System sieht, was es sieht und es sieht in der Regel nicht, was es nicht sieht.“

 

Rudi Wimmer

Die Fähigkeit der Selbstbeobachtung ist in Familienunternehmen eine der entscheidenden und wichtigen Kompetenzen für den Umgang mit der im System vorherrschenden Komplexität. Das System Familienunternehmen beobachtet ständig die Umwelt (Markt, Wettbewerb, Trends, Kunden, usw.). Um sich verändern zu können, braucht es die Möglichkeiten, sich selbst zu beobachten.

„Verstehen geht jeder Veränderung voraus, Verstehen ist die Gewähr dafür, dass die Lösungen, die gefunden werden, nachhaltiger sind, auch liebevoller, als Lösungen, die schnell ‚auf Biegen und Brechen‘ ein Spannungsfeld, in dem man sich befindet, auflösen sollen.“ (von Schlippe)

Sich „Selbst-Bewusst-Sein“

Der erste Schritt beim Umgang mit den in Familienunternehmen vorherrschenden Komplexität und Paradoxien ist sich bewusst zu machen, dass diese sich nicht auflösen lassen. Egal, welche noch so „geniale“ Strategie sie sich als Familie oder Unternehmen zurechtlegen, an irgendeiner Stelle kommen sie zutage und entfalten ihre volle Wirkung. Ich spreche hier aus Erfahrung.

Letztlich bleiben Ihnen zwei Möglichkeiten wie Sie mit Komplexität und Paradoxien umgehen können:

  1. Erkennen und Erlernen der Selbstbeobachtung als „Instrument“ um sich selbst zu beobachten und somit zu verstehen was vor sich geht (was gespielt wird).
  2. Sorgen Sie für einen gemeinsamen Rahmen und legen Sie gemeinsame Grenzen fest (sogenannte Kontextmarkierungen).

Vor allem der gemeinsame Rahmen fehlt oftmals in Familienunternehmen und somit eine haltgebende Orientierung für die gemeinsame Kommunikation. Das führt dazu, dass es zu einer „gestörten“ Kommunikation in der Familie und im Unternehmen kommt, welche in Krisen oder Konflikten enden können.

Die Stärke des Familienunternehmens liegt in der Langfristigkeit

Wichtig ist es zu verstehen, dass ein Unternehmen als ein aufgabenorientiertes System die Funktionalität von Entscheidungen ins Zentrum aller Handlungen stellt. Familien als beziehungs- und bindungsorientierte Systeme orientieren sich langfristig mehr am Gerechtigkeitsprinzip (wie z.B. Loyalität oder aber einem „inneren“ Konto). Familienunternehmen sind keine Maschinen, bei denen man den gewünschten Output erreicht indem kurz mal ein paar Stellschrauben angezogen werden. Es geht darum allen Beteiligten Möglichkeiten anzubieten, wie sich die Organisation neu und anders beobachten kann.

Und hier kommt die für mich größte Stärke eines Familienunternehmens zum tragen. Familienunternehmen denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Es geht nicht darum schnelle, zielgerichtete Lösungen zu finden und zu entwickeln, um einen kurzfristigen Profit zu erwirtschaften. Vielmehr geht es darum, sich selbst für die eigenen blinden Flecken zu sensibilisieren und einen Umgang mit diesen zu finden. Somit kann langfristig ein Unternehmen am Markt etabliert werden, welches seinem ursprünglichen Sinn und Zweck „Family first“ nachkommt.

Wenn Sie weitere Informationen zum Thema Familienunternehmen haben möchten oder wir eine konkrete Frage beantworten können, stehe wir Ihnen gerne für ein kostenloses Erstgespräch zur Verfügung.

Nehmen Sie gleich jetzt Kontakt auf: +49 (0) 331 62 64 730.

PS: In meinem nächsten Beitrag zum Thema Familienunternehmen werde ich auf den Gedanken „Family first“ eingehen und welche Auswirkungen dieser auf die strategische Ausrichtung der Familie und des Unternehmens hat.

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