Unternehmensentwicklung – Organisationen neu erfinden

Im Rahmen unserer Arbeit als Strategie- und Organisationsberater spielt der Bereich Unternehmensentwicklung eine wichtige und entscheidende Rolle. Oftmals werden wir gefragt wie unsere Arbeits- bzw. Tätigkeitfelder zusammenhängen oder aber wo sie sich unterscheiden. Dieser Beitrag dient dazu Ihnen einen Einblick in das Thema und unsere Arbeit im Bereich Unternehmensentwicklung, so wie wir es angehen, zu bekommen.

Unternehmensentwicklung: Bisherige Modelle erreichen ihre Grenzen

 

In einigen unserer Beiträge zu anderen Themen habe ich bereits darüber geschrieben, dass die bisherigen Modelle mit denen wir auf die Arbeitswelt und somit den Unternehmensalltag in Organisationen schauen an ihre Grenzen kommen und der Überholung bedürfen.

Derzeit lese ich das überaus lesenswerte Buch „Reinventing Organizations – Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit“ von Frederic Laloux. Das Buch gilt als Grundlagenbuch für die integrale Organisationsentwicklung. Wenn man so möchte einer „neuen“ Form der Sichtweise auf Organisationen und deren Entwicklungsformen. Im Rahmen dieses Beitrages und der folgenden Beiträge zu dem Thema Unternehmensentwicklung werde ich Vieles aus dem Buch aufgreifen und versuchen aufzuzeigen was es mit unserer alltäglichen Arbeit in der Praxis – sowohl im Hinblick auf unsere Beziehungen mit Kunden und Partnern als auch bei uns intern – zu tun hat.

Ich bin gerade mit dem ersten Kapitel des Buchs fertig und bereits auf diesen ersten Seiten wird deutlich wie sehr es einem Umdenken im Hinblick auf ein gemeinsames Miteinander bzw. in Bezug auf die gemeinsame Zusammenarbeit in unserer derzeitigen Arbeitswelt bedarf.

„Die größte Gefahr in Zeiten des Umbruchs ist nicht der Umbruch selbst – es ist das Handeln mit der Logik von gestern.“

 

Peter Drucker

 

Die Stufen der (Unternehmens-)Entwicklung

 

Oftmals sind in vielen Unternehmen und Organisationen die Ziele und damit alle weiteren Handlungen und Tätigkeiten auf das Prinzip der Gewinnmaximierung ausgerichtet. Ein Blick in die Vergangenheit macht deutlich aus welchen Gründen sich das ändern muss. Ebenso lassen sich daraus bereits erste Ansätze, wie der Umbruch aussehen kann, ableiten.

Das erste Kapitel des Buches „Reinventing Organizations“ (F. Laloux) beschäftigt sich mit den verschiedenen Organisationsmodellen in der Vergangenheit und geht dabei bis in die Gegenwart.

Es wird aufgezeigt, dass sich die bestehenden Modelle im Laufe eines Evolutionsprozesses – sprich einer stetigen Entwicklung – verändert und weiterentwickelt haben. Jedes Modell bedient sich hierbei der dieser Zeit zur Verfügung stehenden Erkenntnisse und Informationen. Gleichzeitig wird deutlich wie wir uns als Menschen ebenso verändert und weiterentwickelt haben und somit den Entwicklungsprozess maßgebend beeinflussen.

Unternehmensentwicklung

Organisationsentwicklung in Stufen (F. Laloux, 2015)

Der Prozess beginnt mit der tribalen impulsiven Organisation, wie wir es in etwa von der Mafia oder Straßengangs kennen. Die ständige Machtausführung durch den Anführer steht im Mittelpunkt, um den Gehorsam der Untergebenen zu sichern. Die nächste Form ist die traditionelle konformistische Organisation, welche sich durch stark formalisierte Rollen innerhalb einer Hierarchie auszeichnet. Merkmal dieser Organisation ist die Kontrolle von oben nach unten und Beispiele heute sind u.a. das Militär sowie die meisten Regierungsbehörden.

Dann bereits landen wir in der „Moderne“. Moderne leistungsorientierte Organisationen zeichnen sich durch den Wettbewerb untereinander aus. Ziel ist es, besser zu sein als die Konkurrenz, sowie Profite zu erwirtschaften und zu expandieren – Willkommen in der modernen Marktwirtschaft.

 

Unternehmensentwicklung: Mut zur Veränderung

 

Immer mehr Menschen und somit auch Unternehmen / Organisationen erkennen, dass diese Form des vermeintlich gemeinsamen Miteinanders nicht bzw. nur begrenzt funktioniert und es somit an der Zeit ist bestehende Modelle zu hinterfragen.

Heutzutage gibt es bereits postmoderne pluaralistische Organisationen, welche den Fokus auf die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Kultur und die Befähigung (Empowerment) ihrer Mitarbeiter legen, um eine herausragende Motivation dieser zu erreichen.

Doch wie sieht die nächste Stufe der (Unternehmens-)Entwicklung aus?

 

„Es ist nicht notwendigerweise „besser“, auf einer höheren Entwicklungsebene zu sein, (…) Jede Ebene der Entwicklung ist gut; die Frage ist aber, ob diese Entwicklungsebene zum Handeln passt, das in einer bestimmten Situation angemessen ist.“

 

Nick Petrie

 

An dieser Stelle möchte ich auf zwei Aspekte eingehen, welche im Buch angeschnitten werden. Erstens, ist es wichtig zu wissen und zu verstehen, dass mit jeder Entwicklung und somit auch im Verlauf des (Entwicklungs-)Prozesses die Komplexität steigt. Oftmals werden Versuche unternommen die uns vorliegende und sich zeigende Komplexität zu reduzieren und somit für uns besser verständlich zu machen. Doch hier drin liegt genau die Gefahr wichtige Zusammenhänge zu beschneiden und somit unverständlich zu machen. Ich bzw. wir als Unternehmen / Organisation sind daher der Ansicht, dass es wichtig ist sich das Erleben und Verhalten von Menschen in bestimmten Kontexten (Situationen) anzusehen um zu verstehen in welchem Paradigma (Muster oder aber in diesem Fall Modell) sie sich bewegen. Erst mit einer intensiven und umfangreichen Analyse, wie z.B. der Unternehmenskultur, ist es uns so möglich die unbewussten Denk- und Handlungsmuster aufzudecken, zu verstehen und in der Folge zu erklären.

Der zweite wichtige Aspekt ist, ist die Antwort auf die Frage: „Wodurch wird bestimmt, nach welchen Mustern bzw. nach welchem Organisationsmodell eine Organisation handelt?“

Die recht einfache und für viele oftmals verblüffende Antwortet lautet: Es ist die Führung der Organisation und wie sie die (Um-)Welt betrachtet. Somit nehmen die Führungskräfte in Ihrem Unternehmen / Ihrer Organisation eine entscheidende Rolle ein.

Letztendlich bedeutet das, dass sich Ihr Unternehmen / Ihre Organisation nicht weiter entwickeln kann, als bis zu der Entwicklungsebene, auf der sich Ihre Führung / Ihre Führungskräfte befinden.

Doch zurück zu unserer Ausgangsfrage wie die nächste Stufe der (Unternehmens-)Entwicklung aussieht?

 

Nachhaltige Unternehmensentwicklung: Verändern Sie Ihre Sichtweise!

 

„Wenn wir unseren Blick auf die Dinge verändern, dann verändern sich auch die Dinge, auf die wir blicken.“

 

Wayne Dyer

 

Seit ein paar Jahren nun scheint es in der Arbeits- und Geschäftswelt sowie in Bezug auf das gemeinsame Miteinander allgemein ein Umdenken zu geben. Viele Menschen haben erkannt, dass ein „Einfach weiter so.“ nicht mehr funktioniert und wir neue Formen der Zusammenarbeit und des Miteinanders gemeinsam entwickeln müssen. Ein aus meiner Sicht nachvollziehbarer und verständlicher Ansatz ist diesbezüglich der sinnstiftende Ansatz. Dieser Ansatz zeichnet sich dadurch aus, dass unsere inneren Maßstäbe für unsere Entscheidungsfindung maßgebend sind, soll heißen, dass wir bei der Findung von Entscheidungen mit unseren tiefen inneren Überzeugungen in Resonanz sind. Menschen die in Resonanz sind werden oftmals auch als integer oder authentisch beschrieben.

Wie bei so vielem im Leben geht es auch in der Arbeits- und Geschäftswelt und so auch beim Thema Unternehmensentwicklung um Wirkung bzw. darum eine gewisse Wirksamkeit zu erlangen / zu erreichen. Sie alle kennen die Geschichten von den wirkungslosen Changeprozessen oder Umstrukturierungsmaßnahmen, die dem gesamten Unternehmen und allen Beteiligten nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit und Nerven gekostet haben.

Damit ein Prozess der Unternehmensentwicklung erfolgreich bzw. wirksam ist haben wir Ihnen 5 Kriterien zusammengestellt, welche es zu beachten gilt:

  • Auf Stärken aufbauen: Bereits Fredmund Malik geht in seinem Buch „Führen, Leisten, Leben“ darauf ein, dass wir uns oftmals auf die vorhandenen Schwächen fokussieren und versuchen diese „auszugleichen“. Diese Vorgehensweise führt im besten Fall jedoch „nur“ dazu, dass Sie Mittelmaß werden. Stärken Sie Ihre Stärken und fördern Sie Ihre Potenziale, dann werden Sie herausragend, in dem was Sie bereits sehr gut können.

 

  • Angemessener Umgang mit Widrigkeiten: Im Hinblick darauf, dass unsere (Um-)Welt immer komplexer (Globalisierung, Digitalisierung, usw.) wird, ist es entscheidend wie Sie mit Rückschlägen, Fehlern und Hindernissen im (Unternehmens-)Alltag umgehen. Sie können diese Umstände entweder als ungerechtes Schicksal betrachten oder aber als Möglichkeit aus solchen Situationen und Erlebnissen die entsprechenden Schlüsse zu ziehen und somit Erkenntnisse für Ihr persönliches Wachstum ziehen.

 

  • Zusammenspiel von Rationalität und Emotionalität: Rationalität steht bei der Entscheidungsfindung an erster Stelle und ist, wenn Sie so möchten der König: Die Rationalität regiert unangefochten bei der Suche nach Entscheidungen, die die besten Resultate erzielen werden. Gleichzeitig ist das Wissen darum wichtig, dass es die zwischenmenschlichen Beziehungen sind, die das (Arbeits- und Geschäfts-)Leben ausmachen und Emotionalität somit die Verbindung zum Gegenüber in egal welcher Situation herstellt. Empathie ist einer der Schlüssel zum Erfolg für ein wirksames gemeinsames Miteinander.

 

  • Ganzheitlichkeit, es geht um das große Ganze: Alle Welt spricht immer und ständig von ihren ganzheitlichen Ansätzen, egal, ob in der Medizin, Erziehung oder Bildung. Und recht haben sie! In unserer komplexen Welt, welche sich so schnell verändert können wir uns es gar nicht mehr erlauben alles mit richtig und mit falsch zu bewerten und somit in die vorhandene eigene Schablone zu pressen. Es geht darum anzuerkennen, dass alle Wahrheiten gleichermaßen wahr sind. Laut dem Motto: „Wahr ist, was wirkt.“ gilt es einen gemeinsamen Raum für ein gemeinsames Werk / Miteinander zu schaffen und somit Wachstum und Entwicklung zu ermöglichen. Ohne die ständige persönliche Beurteilung erhalten unsere Beziehungen eine neue, tiefere Qualität des Miteinanders.

 

Im Endeffekt geht es um die Zähmung des Egos eines jeden Einzelnen seine eigenen Interessen hintenanzustellen und einem übergeordneten Zweck / Sinn auszurichten oder aber vielmehr diesem zu folgen. Aus diesem Grund werden die Unternehmen / Organisationen in Zukunft einen Vorsprung haben, die es schaffen für sich selbst und auch nach außen hin eine klare Sinnausrichtung zu erkennen, zu definieren und auch zu leben. Denn es ist zu erwarten, dass Sinn das Leitprinzip der Entscheidungsfindung in der „Organisation der Moderne“ sein wird.

Wie bereits erwähnt habe ich gerade erst einmal das erste Kapitel des Buches „Reinventing Organizations“ (F. Laloux) gelesen. Ich kann es kaum erwarten mich bei nächster Gelegenheit an die nächsten Kapitel zu machen und zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.

Auch Sie möchten Ihre Sichtweise verändern? Dann machen Sie sich mit uns auf die Reise …

Paul-Philipp Moritz
Paul-Philipp Moritz

Wirtschaftspsychologe, Strategie- und Organisationsberater, Qualitätsmanager

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Immanuel Kant

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