Systemischer Organisationsberater – Das müssen Sie wissen.

Im ersten Beitrag zum Thema Systemische Organisationsberatung schreibe ich über die Grundlagen und die Eckpfeiler des systemischen Denkens im Beratungsprozess.

Nun habe ich das zweite Modul im Rahmen meiner Ausbildung hinter mir. Die beiden Tage standen im Fokus der Systemtheorie und wenn ich ehrlich bin habe ich mich nicht wirklich auf diese beiden Tage gefreut. Bereits während meines Studiums bin ich mit der Systemtheorie in Berührung gekommen, wenn man so möchte sind wir nicht wirklich miteinander warm geworden.

 

Das hat Systemische Beratung mit einem Stau gemeinsam

 

Sie alle kennen sicherlich die für alle Beteiligten unangenehme Situation, Sie freuen sich bereits auf ein langes Wochenende oder sogar den lang ersehnten Urlaub und auf dem Weg dorthin – STAU! Ein Albtraum für jeden Autofahrer.

Oftmals nur sehr zähflüssig geht es voran, wenn es überhaupt voran geht. Alles kostbare Freizeit. Ich frage mich, insofern ich mich mal wieder in so einer misslichen Lage befinde: „Wie kann das sein? An mir liegt es ja schließlich nicht.“ Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Dann wird links ausgeschert, rechts ausgeschert, die Spur gewechselt um dann wieder auf die eigentliche Spur zurückzukehren, da es dort anscheinend doch „schneller“ vorangeht. Und schon bin ich mittendrin und bin an der Produktion des gemeinsamen, wenn auch unfreiwilligen, Werkes aktiv beteiligt.

Auch als Systemischer Organisationsberater ist man mit Stau’s vertraut. In meiner bisherigen Tätigkeit als Berater habe ich bereits einige Projekte gehabt in denen ich einen Einblick in Unternehmen bekommen habe und sich sprichwörtlich nichts mehr regte. Die Geschäftsführung fühlte sich komplett missverstanden und hatte die Verbindung zur Belegschaft verloren. Die Belegschaft wiederum fühlte sich von der Geschäftsführung überhaupt nicht gesehen und gehört, kurz nicht wahrgenommen und wertgeschätzt. Die Führungskräfte oder das Management sich in der Sackgasse den Anforderungen von „oben“ und den Erwartungen von „unten“ gerecht zu werden.

 

Wie gelingt es als Systemischer Organisationsberater den Stau aufzulösen?

 

Damit man nun als „zur Hilfe gerufener“ Berater nicht Teil des Stau’s wird und diesen aktiv mit gestaltet sind verschiedene Dinge wichtig für einen erfolgreichen Beratungsprozess.

Zuallererst geht es darum den Beratungsauftrag mit dem Unternehmer oder der Geschäftsführung zu klären. Hierfür ist eine ausführliche und gezielte Beratungsklärung notwendig und entscheidend. Eine gängige Methode ist die Vorgehensweise PELZ.

P – Problem. Es ist wichtig, sich als Systemischer Organisationsberater im Rahmen der Beratungsklärung das Problem (und die damit verbundenen Phänomene) durch den Auftraggeber beschreiben zu lassen und zwar ausführlich und so detailliert wie möglich.

E – Erklärung. Bereits bei der Auftragsklärung gilt es im Rahmen der Systemischen Beratung für sich eine erste Erklärung für das beschriebene Problem herzuleiten.

L – Lösungsversuche. Wichtig für den weiteren Verlauf des möglichen Beratungsprojektes ist es bereits durchgeführte Lösungsversuche im Unternehmen von Seiten der Geschäftsführung oder des Unternehmers abzufragen. Schließlich gilt es nicht in dieselben Fettnäpfchen zu treten.

Z – Zielvorgaben. Eine genaue Definition der Erwartungen und der durch das Beratungsprojekt erreichten Ziele ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche gemeinsame Zusammenarbeit.

Diese Methode ist nur eine von vielen unterschiedlichen Möglichkeiten zur Beratungsklärung. Alternativ können auch die 4 A’s (Anlass, Anliegen, Auftrag und Arbeitsvorschlag) abgefragt werden.

Mit einer genauen und gezielten Auftragsklärung hat man als Systemischer Organisationsberater eine gute Grundlage für das weitere Beratungsprojekt gelegt. Doch das ist erst der Anfang.

 

Systemtheorie als Stau-Auflöser

 

Nachdem nun mit der Beratungsklärung der erste Schritt im gemeinsamen Beratungsprojekt gemacht wurde gilt es als Systemischer Organisationsberater den weiteren Prozess und damit das Projekt aktiv zu steuern und gestalten.

„Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“

 

Henry Ford

 

Hierfür ist es wichtig, dass man im bestehenden System (Unternehmen/Organisation) eine Anschlusskommunikation herstellt. Denn ohne einen Anschluss ist ein erfolgreiches Projekt ausgeschlossen. Doch wie bekomme ich als Systemischer Organisationsberater Anschluss in einem bestehenden System?

Sie kennen es sicherlich noch aus ihrer Jugend. Es gibt in jeder Gruppe die sogenannten An-/Wortführer, dann gibt es die Mitläufer und in manchen Fällen auch diejenigen, die unbedingt dazugehören wollen. In der Systemtheorie bezeichnen wir die An-/Wortführer als lokale Attraktoren, um diese sich die Kommunikationsmuster in diesem System bilden. Diese Attraktoren bestimmen was im jeweiligen System besprechbar und was nicht besprechbar ist.

Mit einer der ersten Aufgaben im weiteren Beratungsprozess besteht also darin mehr Räume für die besprechbaren Themen zu schaffen. Denn das eigentliche Ziel dahinter ist, das gesamte System in einen Reflektionsprozess über die eigenen Kommunikationsmuster zu bekommen und diese aufzuzeigen um in der Folge eine Umgangsweise damit entwickeln zu können.

 

Systemtheorie als Musterdeutung

 

Nun schreit nicht jeder in einem Unternehmen sofort „Hurra.“ wenn der bestehende IST-Zustand in Frage gestellt wird. Sie alle kennen den Satz: „Das haben wir schon immer so gemacht.“

Aus diesem Grund ist es wichtig als Systemischer Organisationsberater auch auf solche Szenarien vorbereitet zu sein. Dort wo der Widerstand am größten ist gilt es als Berater genau hinzusehen.

Doch was schauen wir uns als Systemische Organisationsberater eigentlich an?

Wenn in der Systemtheorie von einem System gesprochen wird, geht es nicht etwa darum eine „physische“ Gegebenheit genau unter die Lupe zu nehmen. Mit System sind die (Kommunikations-)Muster gemeint, welche wir als Berater – wenn man so möchte „von außen“ – beobachten. Im Fokus unserer Beobachtungen steht das unterschiedliche Verhalten und die Verhaltensweisen der Beteiligten. Das wiederum bedeutet nicht, dass man einzelne Personen aufgrund ihrer Verhaltensweisen „bewertet“. Nein, neben den Interaktionsmustern geht es um die Interaktionsmuster im System.

An dieser Stelle bedarf es der Erklärung was in der Systemik als Interaktion definiert wird und worin der Unterschied zwischen Interaktions- und Kommunikationsmuster besteht. Eine Interaktion entspricht einer Handlung. Bei Kommunikation geht es um Informationen und deren Austausch. Das bedeutet letztendlich, dass Interaktions- und Kommunikationsmuster sich gegenseitig bedingen.

 

„Resistance is assistance.“

 

Doch zurück zu den Widerständen, welche in jedem System auftreten und wie Sie als Systemischer Organisationsberater damit umgehen.

Widerstände sind deshalb so wichtig und entscheidend, da sie uns Aufschluss über die im System vorherrschenden Kommunikations- und Interaktionsmuster geben.

Damit Sie als Systemischer Organisationsberater nicht in dieselbe Falle tappen und ein möglicher Widerstand sich zu einem Konflikt entwickelt gilt es folgende simple sowie für mich zu anfangs verblüffende Regel zu beachten:

WAS NICHT WEG WILL BRAUCHT WERT-SCHÄTZUNG.

 

Stellen Sie sich vor, Sie werden als Berater in ein Unternehmen/eine Organisation gerufen und bekommen einen Beratungsauftrag. Die Situation sieht wie folgt aus. Die Geschäftsführung möchte ein Innovationsprojekt umsetzen und sieht sich vor die Herausforderung gestellt die beiden unterschiedlichen Lage (pro / contra) abzuholen. Ihr Auftrag ist es, dass Projekt allen Beteiligten vorzustellen und am Ende dafür zu sorgen, dass alle Interessengruppen aktiv am Projekt teilhaben und es mitgestalten.

Die Fronten sind verhärtet und durch jede Interaktion zwischen den beiden Interessensgruppen bestätigt sich das eigene Selbstbild nur noch mehr. Die anderen liegen mit ihrer Sicht falsch und wir haben die richtige Vorgehensweise. Das Bild vom anderen lässt sich mit jeder weiteren Interaktion immer schwerer verändern.

In solch‘ einer verfahrenen Situation haben Sie drei Möglichkeiten um als Systemischer Organisationsberater anzusetzen.

  1. Sie setzen auf der persönlichen Ebene an und versuchen das Verhalten der Beteiligten in den Interessensgruppen zu verändern.
  1. Sie versuchen die vorhandenen Denkmuster und somit auch das Denken der Beteiligten zu verändern (z.B. Umgang mit Vorurteilen).
  1. Sie schätzen das wert was vorhanden ist und (ent-)koppeln somit die persönliche Ebene von den Denkmustern.

 

„Über Probleme reden schafft Probleme, über Lösungen reden schafft Lösungen.“

 

Steve de Shazer

 

Systemische Beratung als gemeinsames Werk

 

Somit wissen Sie als Systemischer Organisationsberater aus welchem Grund Widerstände wichtig sind und wie Sie mit diesen umgehen. Die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches gemeinsames Beratungsprojekt mit Ihrem Kunden/Klienten ist jedoch, dass Sie wie in diesem Beitrag beschrieben, eine Anschlusskommunikation mit dem bestehenden System herstellen.

„Was ist Ihr Beitrag?“ ist daher die für den Systemischen Organisationsberater wichtigste und wirksamste Frage.

Anstatt als Berater von gestern vorgefertigte und standardisierte Lösungen zu bringen stoßen Sie mit dieser Frage den Reflektions- und somit Veränderungsprozess bei allen Beteiligten an.

Jedes Mal, wenn Sie als Systemischer Organisationsberater mit Ihrem Kunden/Klienten zueinander kommen müssen Sie ein gemeinsames Werk (Bild) kreieren. Gelingt Ihnen das nicht, bleibt Ihnen nur noch eine Lösung: Abbruch.

Somit wird deutlich, dass Sie als Systemischer Organisationsberater jederzeit das Heft in der Hand halten und den Beratungsprozess zu jeder Zeit aktiv gestalten. Hierbei sind Sie ausschließlich für das WIE – die Methoden – verantwortlich. Das WAS wird durch den Kunden/Klienten bestimmt und bleibt auch bei diesem.

Daher unsere Frage an Sie: Bei WAS können wir Sie unterstützen?

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Paul-Philipp Moritz
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Wirtschaftspsychologe, Strategie- und Organisationsberater, Qualitätsmanager

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Immanuel Kant

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